Der 8. März als Internationaler Frauenkampftag

Weil wir es für grundlegend halten um die Geschehnisse am 8.3.2026 in Saarbrücken nachvollziehen zu können, wollen wir zuallererst auf eine Forderung eingehen, die uns so oder so ähnlich immer wieder begegnete: 

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„Verbietet alle politischen Symbole, Fahnen und Redebeiträge auf der von euch organisierte Frauenkampftags-Demonstration, die sorgen sowieso nur für Ärger“ Mit dieser Forderung ist oft der Wunsch verbunden, den 8. März als Tag des Wohlfühlens zu gestalten an dem möglichst alle teilnehmen wollen. Hiermit verbunden war des öfteren die Frage, warum wenn schon Reden gehalten werden, sich diese nicht ausschließlich um allgemeine Frauenperspektiven und Innenpolitik drehen können. 

Um diese Fragen angemessen zu beantworten, ist es zunächst sinnvoll, auf den grundlegenden politischen Charakter des Frauenkampftages und seine Entstehungsgeschichte einzugehen.

Foto: Kai Schwert

Entstehungsgeschichte des 8. März

Der 8. März wurde von der proletarischen Frauenbewegung ins Leben gerufen, um Frauen für den Klassenkampf zu gewinnen. Im Jahr 1910 wurde auf der zweiten Internationalen sozialistischen Frauenkonferenz in Kopenhagen auf Initiative der deutschen Kommunistin Clara Zetkin folgender Beschluss gefasst:

Im Einvernehmen mit den klassenbewussten politischen und gewerkschaftlichen Organisationen des Proletariats in ihrem Land veranstalten die sozialistischen Frauen aller Länder jedes Jahr einen Frauentag (…) Der Frauentag muss einen internationalen Charakter tragen.

Das konkrete Datum des 8. März hat seine Wurzeln in historischen Streiks von Textilarbeiterinnen in New York (1857 und 1908) sowie im Jahr 1917 im zaristischen Russland, als in Petersburg zehntausende Arbeiterinnen und Bäuerinnen in den Streik traten. Dieser Streik war ein entscheidender Funke, der zur Februarrevolution und zum Sturz des Zarismus beitrug. Auf der Internationalen Konferenz kommunistischer Frauen 1921 in Moskau wurde der 8. März offiziell zum Internationalen Frauentag erklärt.

Politische Dimension des 8. März

Die Forderung nach einem unpolitischen Tag, an dem sich alle wohlfühlen und unabhängig von ihrer politischen Einstellung gemeinsam auf die Straße gehen, verkennt die historische und materielle Realität der Frauenunterdrückung. Ohne eine marxistische und proletarische Frauenbewegung gäbe es heute keine 8. März-Demonstrationen. Diese Bewegung, geprägt von Kommunistinnen wie Clara Zetkin, war davon überzeugt, dass die soziale Unterdrückung und Rechtlosigkeit der Frauen historisch mit der Entstehung des Privateigentums, des Staates und der patriarchalischen Familie zusammenfällt. Daher kann der Kampf um Frauenbefreiung nur als ausdrücklich politisch und revolutionär verstanden werden.

In ihrem Kampf um Befreiung grenzten sich die proletarischen Frauen stets von der bürgerlichen Frauenbewegung ab, die oft nur formale Gleichberechtigung und individuelle Entfaltung im Rahmen der bestehenden Ordnung anstrebte – ohne das Ziel einer tatsächlichen, revolutionären Befreiung aller Frauen.

Der 8. März war somit nie ein harmonischer, unpolitischer Tag, an dem alle ohne Berücksichtigung ihrer politischen Ziele für die gleiche Sache auf die Straße gehen. Die Forderungen nach einem 8.März mit weniger Inhalt, nach fehlenden klaren Positionen und am besten nach gar keiner Politik widersprechen der ursprünglichen Idee dieses Tages: Dem politischen Kampf für die Befreiung aller Frauen.

„Die Arbeiterinnen, welche nach sozialer Gleichheit streben, erwarten für ihre Emanzipation nichts von der Frauenbewegung der Bourgeoisie, welche angeblich für die Frauenrechte kämpft. […] Die Arbeiterinnen sind durchaus davon überzeugt, daß die Frage der Frauenemanzipation keine isoliert für sich bestehende ist, sondern ein Teil der großen sozialen Frage. Sie gehen sich vollkommen klare Rechenschaft darüber, daß diese Frage in der heutigen Gesellschaft nun und nimmermehr gelöst werden wird, sondern erst nach einer gründlichen Umgestaltung der Gesellschaft“ -Clara Zetkin, 1889

Für die proletarische Frau ist dieser Kampf also nicht zwangsläufig ein Kampf gegen Männer im Allgemeinen. Es ist ein Tag, der Frauen zum gemeinsamen Klassenkampf aller Arbeiter:innen gegen die Unterdrückung der proletarischen Frau als Teil der arbeitenden Klasse und damit gegen reaktionäre Kräfte und die kapitalistische Klassengesellschaft aufruft. Denn der Kapitalismus drückt der Frau eine doppelte Last auf – als vom Bourgeois ausgebeutete Lohnarbeiterin in der Fabrik oder im Betrieb und als von Mann und Gesellschaft ausgebeutete Verantwortliche für Haushalt und Kinder in der Familie. Diese Ausbeutung kann weder durch harmonische Wohlfühl-Events noch durch bürgerliche Sozialarbeit beendet werden. Es erfordert, ganz im Sinne Clara Zetkins, eine gemeinsame Organisation aller emanzipatorischen Kräfte für den revolutionären Klassenkampf der Arbeiter:innenklasse, für den Sturz des bürgerlichen Klassenstaates und die Aufhebung des Privateigentums.

Internationale Solidarität 

Darüber hinaus verklärt die Forderung nach einem möglichst unpolitischen 8. März die historische Realität dieses Tages und die Lebensrealität ausgebeuteter Frauen weltweit. Solche Forderungen relativieren und entpolitisieren den harten Kampf um Emanzipation, den Frauen seit Generationen weltweit in demokratischen und sozialistischen Bewegungen gegen ihre Unterdrückung führen. Daher kann es für uns am 8. März nicht nur um Innenpolitik und möglichst unstrittige Themen gehen. Wir Kommunist:innen wissen, dass unser Hauptfeind im eigenen Land steht, unsere Bewegung aber internationalistisch ist. Darum halten wir es für grundfalsch, uns ausschließlich auf lokale Gegebenheiten in Deutschland zu beziehen. Der 8. März bedeutet seit jeher 

Deshalb waren internationale Kämpfe stets ein Bestandteil der Demonstrationen zum Frauenkampftag, die wir seit 2019 in Saarbrücken  mitorganisieren. In all diesen Jahren gaben wir internationalistischen Perspektiven Raum: Dieses Jahr beispielsweise gab es im Vorfeld, neben dem eigentlichen Aufruf des Bündnisses, einen gemeinsamen Aufruf in Solidarität mit der kurdischen Frauenrevolution in Rojava, unterstützt durch  unsere Genoss:innen des Kurdischen Gesellschaftszentrums Saar. In anderen Jahren lagen die internationalistischen Schwerpunkte beispielsweise feministischen Kämpfen in Lateinamerika und der „Ni una menos“-Bewegung. Im Jahr 2024 thematisierten wir vor allem sexuelle Gewalt gegen Frauen. In diesem Kontext solidarisierte sich das Bündnis mit den israelischen Frauen, die am Überfall am 7. Oktober 2023 Opfer eines in erster Linie antisemitischen und frauenfeindlichen Übergriffs der islamistischen Hamas wurden. Auch hier solidarisierte sich das Bündnis mit den betroffenen Frauen und unterstützte Israel als Schutzraum für jüdische Menschen in Zeiten von weltweit steigendem Antisemitismus.

Warum wir diese Haltung auch weiterhin vertreten und warum zu unserem Feminismus unweigerlich auch der Kampf gegen Antisemitismus in all seinen Formen gehört, darüber schreiben wir im nächsten Teil.

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